Was heißt eigentlich gehirn-gerecht?
Wie lernt das Gehirn?




Stell dir vor, dein Gehirn ist kein trister Aktenordner, den man mit Gewalt vollstopfen muss, sondern ein hochmoderner Bio-Supercomputer mit endloser Speicherkapazität. Das Problem: Die meisten von uns nutzen ihn, ohne das Handbuch gelesen zu haben. Die Grafik zeigt dir, wie „gehirn-gerechtes“ Lernen wirklich funktioniert – und Spoiler: Es hat wenig mit sturem Auswendiglernen zu tun.
Hier sind die wichtigsten Hacks für deinen Kopf:
1. Aufbau eines „Wissens-Netzes“: Das Gehirn liebt Ordnung, aber nicht wie im Regal, sondern wie in einem Netz. Neues Wissen muss irgendwo „andocken“ können. Wenn etwas Neues gelernt werden soll, ist es hilfreich vorher eine Inventur zu machen: Was weiß ich schon zu dem Thema? Je mehr Anknüpfungspunkte man hat, desto einfacher wird das Lernen von neuen Dingen. Das Netz erweitert sich, wird also feinmaschiger und größer. Häufiges Anwenden (Wiederholungen) des neu-erworbenen Wissens sorgt für die Ausbildung neuer Nervenzellen und damit für die Speicherung im Langzeitgedächtnis. "Use it or lose it!".
2. Der „Fehler-Vibe“: Ergebnisse statt Katastrophen: In der Schule sind Fehler oft das Ende der Welt. Fehler zu machen ist in der Lehrwelt leider negativ besetzt. Sie werden rot angestrichen und sorgen in Kombination mit dem vorhandenen Leistungsdruck für eine hohe Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Dieses sorgt dann für eine Blockade der Übergänge zwischen den einzelnen Nervenzellen (Synapsen). Zusätzlich wird die Ausschüttung von Dopamin (Lernbeschleuniger) eingestellt. Es entstehen Stress und Angst. Gehirn-gerecht gesehen sind "Fehler" aber der beste Freund („Aus Fehler wird Helfer“). Dein Gehirn lernt durch Rückkopplung. Ersetzt man den Begriff "Fehler" durch Ergebnis bekommt man eine komplett andere Perspektive. Das nimmt den Stress und macht den Kopf frei.
3. „Googeln“ im eigenen Kopf: Echtes Denken ist wie eine Suchmaschine im eigenen Hirn zu benutzen. Statt Antworten nur stumpf zu konsumieren, solltest du sie entdecken und re-konstruieren. Mit Hilfe des Kategorisierens lassen sich recht schnell neue Pfade im Hirn anlegen. Diese dann weiter auszubauen und zu nutzen sorgt für "Schnellstraßen" und später dann für "Autobahnen" im Gehirn.
4. Nutze deine Hardware (Corpus Callosum): Du hast zwei Gehirnhälften, die über das Corpus Callosum (den „Balken“) verbunden sind. Lernen klappt am besten, wenn beide Seiten zusammenarbeiten – also Logik kombiniert mit Emotionen, Bildern und Humor. Wenn du beim Lernen lachst oder eine Geschichte dazu hast, brennt sich die Info viel tiefer ein. Das Gehirn ist keine Festplatte mit einer klar definierten Speicherkapazität. Im Gegenteil: Je mehr wissen im Gehirn vorhanden ist, desto leichter können neue Dinge gelernt werden. Feed it and need it!
5. „Nicht-Lern-Lernstrategien“: Lernen bedeutet in der heutigen Welt meistens etwas auswendig zu lernen, um es dann punktuell (z.B Prüfung, Klausur, etc.) abzurufen. "Pauken" lautet der Fachbegriff für dieses Vorgehen. Das volle Potenzial unseres Gehirns wird dabei lediglich zu 0,5% genutzt und damit das Lernen erheblich erschwert und damit sehr zeitaufwändig. Mit Hilfe der Nicht-Lern-Lernstrategien (Neuromechanismen) wird Lernen erst möglich und damit auch effizient. Vieles passiert ganz nebenbei (incidental). Wir lernen durch Imitation und indem wir uns in einer Gruppe austauschen. Der Schlüssel ist, das Tempo zu drosseln und sich Zeit für echte Neugier zu lassen. Wer nur unter Druck lernt, blockiert seine Neuro-Mechanismen.
Fazit: Du bist dein eigener „Genius“. Wenn du aufhörst, gegen dein Gehirn zu arbeiten, und anfängst, seine natürlichen Mechanismen zu nutzen, wird Lernen von der Qual zur Entdeckungstour.

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